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Zwischenbericht der AKTION FLEISCHFREI des VEBU, Stand Mai 2004

Vegetarische Produktkennzeichnung:
Die großen Marken machen es vor

Bei den großen Namen der deutschen Lebensmittelindustrie hat sich in den letzten Jahren eine wichtige Erkenntnis durchgesetzt: Die Zahl der vegetarisch oder bewusst fleischreduziert lebenden Menschen in Deutschland wächst stetig.

Und, nicht weniger wichtig: Es handelt sich dabei um eine Gruppe von VerbraucherInnen, die zunehmend selbstbewusst mit dem Anspruch auf aussagekräftige Produktinformationen an die Hersteller herantritt. In den letzten Jahren wurden von UnterstützerInnen der "Aktion Fleischfrei" des VEBU tausendfach Anfrage-Postkarten an Lebensmittelhersteller verschickt mit der Forderung nach einer eindeutigen vegetarischen Produktkennzeichnung.

Vorreiterrolle

Reagierten in der Anfangszeit der Kampagne die meisten Unternehmen noch mit völligem Unverständnis und unverhohlenem Desinteresse auf die Notwendigkeit einer auf den ersten Blick erkennbaren Kennzeichnung vegetarischer Produkte, so haben mittlerweile vor allem die namhafteren Hersteller eine Kehrtwende um 180 Grad vollzogen. Allen voran die Firma IGLO, die von einer ursprünglich ablehnenden Haltung zu einem Musterbeispiel an aussagekräftiger Produktkennzeichnung avanciert ist: seit einiger Zeit gibt das Unternehmen auf seinen Verpackungen direkt unterhalb der Nährwerttabelle detailliert an, ob ein Produkt für eine ovo-lakto-vegetarische, lakto-vegetarische oder vegane Ernährung geeignet ist.

Eindeutige Labels statt Hintertürchen

Nicht ganz so präzise, aber dennoch kennzeichnungswillig zeigen sich andere große Markennamen wie MAGGI, KNORR, UNCLE BEN'S und KELLOG'S. Diese Hersteller haben jeweils Eigenlabels entwickelt, mit denen sie einen Teil ihrer Produkte als "vegetarisch", "rein pflanzlich" oder als "geeignet für Vegetarier" kennzeichnen. Damit heben sich die Firmen wohltuend ab von jenen Unternehmen, die lediglich auf Anfrage spezielle "Vegetarier-Listen" verschicken, sich jedoch ein wenig Vertrauen erweckendes Hintertürchen offen halten durch die Formulierung, dass sich die Zusammensetzung eines Produktes jederzeit ändern könne und deshalb in regelmäßigen Abständen neue Listen angefordert werden müssten.

Problematik der Eigenlabels

So erfreulich die Initiative einiger großer Unternehmen hinsichtlich einer eigenständigen vegetarischen Produktkennzeichnung sich auch darstellt, gänzlich unproblematisch ist sie leider nicht. Wird die Zertifizierung eines Produktes nämlich nicht von unabhängiger Stelle vorgenommen, obliegt es allein dem Hersteller, wie er den Begriff "vegetarisch" definiert. Ist allen Herstellern beispielsweise mittlerweile bewusst, dass mit tierischem Lab hergestellter Käse nicht als vegetarisch gelten kann? Definieren alle Firmen Produkte, die Gelatine oder Schlachtfette enthalten, übereinstimmend als nicht-vegetarisch oder gehen einige Unternehmen nach wie vor davon aus, dass Vegetarier lediglich keine Schnitzel oder Rumpsteaks essen? Diese und ähnliche Unsicherheiten können letztlich nur durch detaillierte Nachfragen beim Hersteller (und das unbedingte Vertrauen in dessen Auskünfte!) aus dem Weg geräumt werden - eine Prozedur, die eigentlich durch das Einführen der Labels ursprünglich überflüsig gemacht werden sollte.

Sicherheit durch das V-Label

Im Gegensatz zu den Eigenlabels der Hersteller bietet das europaweit geltende V-Label der Europäischen Vegetarier-Union (EVU) als einzige herstellerunabhängige vegetarische Produktkennzeichnung durch seine strengen Kriterien und unabhängigen Kontrollen absolute Sicherheit für die KonsumentInnen. In Deutschland garantiert der VEBU für die uneingeschränkte Vertrauenswürdigkeit aller hier zu Lande mit dem V-Label ausgezeichneten Produkte. Dass es dennoch manche Firmen vorziehen, lieber auf eine Eigen-Zertifizierung statt auf das offizielle Vegetarier-Label zu setzen, liegt nicht zuletzt an der notwendigen Zustimmung zu Transparenz von Seiten des Herstellers, die Voraussetzung für eine Zertifizierung nach den strengen Kriterien des V-Labels ist.

Positive Signale für die Zukunft

Aller berechtigten Kritik zum Trotz, muss die Initiative der Hersteller, vegetarische Produkte gut sichtbar zu kennzeichnen, dennoch als deutliches Zeichen der Hoffnung gewertet werden. Auch wenn einige Unverbesserliche - wie beispielsweise REWE, die seit mehreren Jahren auf alle Anfragen zum Thema vegetarische Produktkennzeichnung unverändert die stereotype Behauptung verschicken, dass "rechtliche Aspekte" gegen eine Kennzeichnung sprächen - Gegenteiliges vermuten lassen: Dass gerade namhafte Firmen in jüngster Zeit mit der Einführung vegetarischer Labels Aufsehen erregen, beweist deutlich, in welchem Maße die vegetarische Klientel inzwischen ernst genommen wird. Und selbst jenseits der konkreten Produktkennzeichnung tut sich einiges: So erweitern immer mehr Hersteller ihren Wortschatz und nehmen neuerdings sogar Bezeichnungen wie "vegan" in ihr aktives Vokabular mit auf. HARIBO beispielsweise ist inzwischen von den ausführlichen Lobpreisungen der Vorzüge von Schweinegelatine in seinen Atwortschreiben an UnterstützerInnen der "Aktion Fleischfrei" abgerückt und informiert neuerdings sogar darüber, welche der Fruchtgummi-Produkte als vegan zu bezeichnen sind, weil sie nicht nur ohne Gelatine, sondern auch ohne den Zusatz von Bienenwachs auskommen.

Mitmachen ist wichtig

Es besteht kein Zweifel darüber, dass erst das Feedback von zahlreichen Kunden viele Hersteller von der Notwendigkeit einer vegetarischen Produktkennzeichnung - oder, im weiteren Sinne, von der Notwendigkeit eines Ausbaus der vegetarischen Produktpalette - überzeugen kann. Beim Mitmachen bei der "Aktion Fleischfrei" erhalten die UnterstützerInnnen je nach angeschriebenem Unternehmen darüber hinaus zudem noch wertvolle weitere Informationen, wie etwa dass der kontaktierte Fruchtsaft-Hersteller seine Säfte mit Gelatine klärt, dass die Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren im Kürbiskernbrot des Discounters LIDL rein pflanzlichen Ursprungs und daher für Vegetarier geeignet sind oder dass der Bio Apfel-Rotkohl nicht vegetarisch ist, weil er unter Verwendung von Schmalz hergestellt wird.

So unterstützen Sie die "Aktion Fleischfrei":

Es ist entscheidend, weiterhin den Bedarf für die Kennzeichnung vegetarischer Produkte deutlich zu machen. Jede verschickte Aktionspostkarte trägt dazu bei, das Umdenken auf Seiten der Hersteller weiter voranzutreiben. (Darüber hinaus freuen sich die vorbildlicheren unter den Herstellern auch über positive Rückmeldungen zu ihrer Entscheidung, vegetarische Produkte zu kennzeichnen und den VerbraucherInnen dadurch den Einkauf zu erleichtern!)

Postkarten zum Mitmachen bei der "Aktion Fleischfrei" können kostenfrei in der VEBU-Geschäftsstelle angefordert werden: Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Blumenstr. 3, 30159 Hannover oder (per E-Mail:)

info@vegetarierbund.de .

Ihre Hilfe ist gefragt:

Da die Durchführung der Kampagne - vor allem Nachdruck und Versand der Aktionspostkarten - mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden sind, ist der VEBU für die Unterstützung der Aktion durch Ihre (steuerlich absetzbare!) Spende dankbar - damit die Hersteller auch in Zukunft erfahren, was ihre vegetarischen KundInnen wünschen... Spendenkonto Nr. 84 61 200 bei der Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 251 205 10), Stichwort "Aktion Fleischfrei".

Eva Wester, Vegetarier-Bund Deutschlands e.V.

© Copyright Armin Mück. Alle Rechte vorbehalten.

Hinweis:

Wer gerne noch seinen/ihren Teil zum Erfolg der „Aktion Fleischfrei“ beitragen möchte, kann kostenlos Aktionspostkarten bei der VEBU-Geschäftsstelle anfordern und sich damit an einen oder mehrere Hersteller nach eigener Wahl wenden.

 

Die Redaktion

 

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